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Nennen wir sie einfach Mloko!    2026.05.03

„This species is probably one of the most beautiful plants that can be grown in the garden[1].“Diesem Satz des britischen Autors David Page stimme ich gerne zu und viele Pfingstrosenliebhaber bekommen beim Gedanken an diese Pflanze glänzende Augen. Wäre da nicht der Name: in voller Länge „Paeonia daurica subsp. mlokosewitschii (Lomakin)“. Englischsprachige Gärtner haben daraus den sinnfernen Spitznamen „Molly the Witrch“. Dabei hat die Pflanze nichts hexenartiges und man sollte besser bei den Bezeichnungen „Kaukasische Pfingstrose“ oder „Goldene Pfingstrose“, die es auch in englischsprachiger Form gibt, bleiben. Denn das hat der Namensgeber, der polnische Naturforscher Ludwik Mlokosiewiecz (1831-1909), der die Pflanze in der Lagodekhi-Schlucht im heutigen Georgien zum ersten Mail fand, nicht verdient. Der Russe A.A. Lomakin hat sie später erstmals beschrieben und nach ihm benannt.[2]

Die Mloko in einem ziemlich farbechten Foto. Je nach Lichtverhältnis fallen die Fotos von fast weiß bis dottergelb aus. Die Mloko in einem ziemlich farbechten Foto. Je nach Lichtverhältnis fallen die Fotos von fast weiß bis dottergelb aus.

Bleiben wir also bei „Mloko“. Was macht die Pflanze so besonders. Die sehr früh Ende April/Anfang Mai blühende Päonie ist die einzige Staudenpfingstrose, die gelbe Blüten hat. Die schalenförmigen, hellgelben Blüten erreichen einen Durchmesser von 10 cm und die Blütenblätter scheinen fast durchsichtig zu sein. In der Mitte der Blüte zeigt sich ein dickes Bündel von tiefgelben Staubfäden, an welchen sich bei schönem Wetter unermüdlich Insekten laben. Während sonst die Farbe Gelb von manchen Gärtnerinnen und Gärtnern abgelehnt wird, ist sie hier die Besonderheit und macht die Pflanze deswegen begehrt.

Aber auch der buschige Habitus der 60 cm hohen Staude und die Blätter sind ein Hingucker. Diese sind recht groß und rundoval gefiedert. Im Austrieb sind sie zunächst rötlich gefärbt, dann nehmen sie eine schöne bläulichgrüne Farbe an und vergrünen zur Blütezeit, wobei die Aderung der Blätter und die Stängel fein rötlich gezeichnet sind. Die Unterseite der Blätter überrascht mit einem flaumigen Blaugrau.

5+1 Blüten, oben Primula sieboldii5+1 Blüten, oben Primula sieboldiiWie bei vielen Päonienarten sollen auch die narrenkappenförmigen (Gaißmayer) Samenkapseln, die sich im August/September öffnen, den Garten schmücken. Sie enthalten dicke fertile schwarze und unfruchtbare rote Samen und locken Vögel an, die sie mit ihrem Kot aussäen sollen.

Letzteres kann ich nur zitieren, denn bei mir blühen die Mlokos seit etwa einer Woche zum ersten Mal. Leider lassen die Blüten angesichts der hohen Temperaturen schon die Blütenblätter fallen. Man sagt ja vielem Schönen nach, dass es nur von kurzer Dauer sei. Ich habe drei Mlokos in einem eher sonnigen Beet nicht weit voneinander entfernt gepflanzt. Eine hat fünf Blüten, die, wie oft beschrieben, in der Knospe leicht rötlich waren, die zweite Pflanze hat eine Blüte, der dieses Merkmal der Knospe fehlte und die beim Aufblühen ein noch helleres Gelb hatte als die fünf anderen. Und bei der dritten warte ich auf das nächste Jahr. Sonst wird umgepflanzt. Den schweren Boden hatte ich beim Pflanzen mit Sand etwas durchlässiger gemacht und zu Beginn des Austriebs etwas Dünger gestreut (Ich glaube pflanzlichen Dünger). 

Zu Standort und Boden findet man bei Online-Staudengärtnereien verwirrend unterschiedliche Hinweise. Von Sonne und Halbschatten bis zu Schatten, von saurem (mit dringender Warnung vor Kalk) bis zu kalkhaltigem Boden. Sauren Boden würde ich allerdings angesichts der Herkunft aus den Bergschluchten des Kaukasus nicht gerade nehmen.

Ich wollte schon lange Mlokos im Garten haben, aber drei blühfähige Exemplare kosten etwa 100 €. Und - beim Anpflanzen neuer Stauden bin ich nicht besonders erfolgreich. Die Anwachsrate im Folgejahr ist gefühlt 50 % und wurde auch durch Erfahrung nicht besser. Und sie steigt auch nicht parallel zum Preis der Pflanzen. Da warnt mein Gärtnergeiz vor Verlusten. Also habe ich 2022 beim Samentausch der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) Samen bestellt, was fast nicht kostet. Drei der keimenden Sämlinge haben das Pikieren in Töpfe und vor allem die Vernachlässigung in den folgenden Wintern überstanden. Im letzten Jahr habe ich sie ausgepflanzt. Als ich die Knospen sah, war die Spannung groß. Denn Mlokos haben auch am Naturstandort Farbvarianten von pink, weiß und rot. Ich wollte natürlich die gelbe!

Bei der dritten Mloko freue ich dann auf eine andere Farbe.

Paeonia ludlowii: Mitten in den Staubblättern sieht man die beiden FruchtblätterPaeonia ludlowii: Mitten in den Staubblättern sieht man die beiden FruchtblätterZum Schluss möchte ich noch einen Irrtum bekennen. Im Maiblog 2024 berichtete ich u.a., dass in meinem Garten eine gelbe Strauchpfingstrose, Paeonia lutea stehe (die übrigens gerade aufblüht). Bei den Strauchpfingstrosen gibt es zwei gelbe Arten, nämlich neben dieser die Art Paeonia ludlowii, während bei den staudigen Pfingstrosen die Mloko die einzige gelbe Art ist. Diese Strauchpfingstrose in meinem Garten ist aber nicht P. lutea, sondern P. ludlowii. Das hätte ich schon an ihren riesigen un sehr schön anzusehenden bis 30 cm langen und 20 cm breiten, geschlitzten Blättern erkennen können. Aber eindeutig ergibt sich diese Artbestimmung, aus der Zahl der Fruchtblätter in der Blüte, weil meine Strauchpäonie wie P. ludlowii nur ein bis zwei Fruchtblätter aufweist, P. lutea hingegen mindestens fünf.[3]

Bezugsquellen: Viele Staudengärtnereien sowie spezielle Pfingstrosengärtnereien

 

Literatur: https://www.gaissmayer.de/web/welt/pflanzenwissen/stauden/sortiment/pfingstrosen/paeonia-mlokosewitschii/ mit guten Fotos auch von Aufwuchs und Samenständen; https://www.uni-potsdam.de/de/botanischer-garten/aktuelles/pflanze-des-monats/archiv/paeonia-mlokosewitschii

 

 



[1] Martin Page, The gardeners Guide to growing peonies, David& Charles Publishers, 1997, 2002, S. 63

[2] Im Internet findet sich ein bewegender Bericht über das Leben dieses bescheidenen Allround-Naturforschers, der 50 Publikationen veröffentlicht hat, vom Zaren wegen angeblicher Verbindungen zu Aufständischen in der Bergen für vier Jahre in die Verbannung geschickt wurde, und trotz aller Misshelligkeiten in Lagodekhi einen Park und einen botanischen Garten aufgebaut hat https://www-polonia--baku-org.translate.goog/pl/mlokosiewicz.phtml?_x_tr_sch=http&_x_tr_sl=pl&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=sc.

 [3] Irmgard Rieck, Friedrich Hertle, Strauchpfingstrosen, Ulmer 2002, S.46


 

Wulfenia, der Pflanzenmethusalem wünscht sich Kuhtritte   2026.04.19

Das nötigt Respekt ab: Rund 10 Mio. Jahre gibt es sie schon nahezu unverändert die Pflanzengattung Wulfenia. D.h. sie existierte schon in der feuchten subtropischen Warmzeit des Miozäns (frühere Bezeichnung Tertiär) und sie hat die anschließende Eiszeit knapp, ja ziemlich knapp, überlebt, nämlich in Europa in nur zwei sehr kleinen Arealen am Gartnerkofel in den Karnischen Alpen und im Prokletije-Gebirge in Albanien.

Die rührigen Kärntner Tourismusmanager haben aus der „Kärntner Landesblume“ oder „Wunderblume“ oder auch fälschlich „Eiszeitblume“ (da voreiszeitlich) eine Tourismusattraktion gemacht, einschließlich eines Wulfeniafestes.Die "Kärntner Wunderblume" am Naturstandort
Foto: Florian KirchhofDie "Kärntner Wunderblume" am Naturstandort Foto: Florian Kirchhof

Das hatte mich misstrauisch gemacht. Vielleicht könnte das große Alter der Wulfenia carinthiaca (so der korrekte botanische Name) nur eine gute Tourismusidee sein , zumal die Website des Kärntner Landesmuseums zurückhaltend mitteilt, „die Wulfenia gilt als Tertiärrelikt“. Vorsichthalber habe ich deswegen beim Kärntner Landesmuseum nachgefragt. Die Antwort kam prompt am nächsten Tag, was mir große Achtung abverlangt, durch Mag. Dr. Roland K. Eberwein, Abteilungsleiter Botanik des Museums: „Keine Tourismusmasche, sondern wissenschaftlich belegt.“ Ein seiner Mail beigefügter Artikel internationaler Autoren hat unter Nutzung einer Reihe von wissenschaftlichen Methoden nicht nur das Allter bestimmt, sondern auch festgestellt, dass es sich bei den beiden europäischen Vorkommen um die gleiche Wulfenia-Art handelt.  

Im Garten zählt die Wulfenia eher zu den bescheideneren Pflanzen, gehört sie doch in die Familie der Wegerichgewächse. Am ehesten erkennt man diese Verwandtschaft an der Blattrosette, die sich aus 4 cm breiten, gekerbten, wintergrünen Blättern zusammensetzt. Aus der Mitte der Rosette erhebt sich im Garten schon jetzt im April der 20 cm hohe Blütenstand mit den dicht gedrängten blauen. traubenförmig angeordneten Blüten. Diese sind röhrenförmig, 3cm lang mit einem Durchmesser von 2 mm und weitgehend nach einer Seite ausgerichtet. In meinem Garten im Tiefland erreichen die Blüten nicht ganz die Farbtiefe wie am Naturstandort. Diese Erscheinung ist bei manchen alpinen Stauden zu beobachten. Grund ist das viel intensivere Licht in den Bergen. Nach und nach breitet sich die Staude durch Tochterpflanzen sehr langsam aus.Im Garten ist das Blau der Wulfenia etwas blasser als am alpinen StandortIm Garten ist das Blau der Wulfenia etwas blasser als am alpinen Standort

Wulfenias wünschen sich humosen, nicht ganz austrocknenden Boden, denn im Miozän herrscht ein feuchtes Klima. In meinem Garten fühlt sich die Wulfenia carinthiaca am unteren Ende des nach Osten ausgerichteten Steingartenhangs wohl, wo sich fast immer etwas Feuchtigkeit ansammelt. Aus dem Vermehrungsmaterial habe ich ein Paar Pflänzchen vor fünf Jahren an den Rand des halbschattigen Vorgartens gesetzt. Dort haben sie sich zwar angesiedelt, aber in diesem Jahr blüht die Wulfenia an diesem Standort endlich zum ersten Mal. Man sieht, eine zähe und langlebige Pflanze.

Die traubenförmig angeordneten kleinen Röhrenblüten der WulfeniaDie traubenförmig angeordneten kleinen Röhrenblüten der WulfeniaSehr unfreundlich klingt der deutsche Name der Pflanze „Kärntner Kuhtritt“. Aber Volkes Mund gibt da eine zutreffende Beobachtung wieder. Am Naturstandort gedeiht sie nur, wo es auch offenen Boden gibt, weil nur dort die Samen keimen können. Die weidenden Almrinder reißen mit ihren Hufen den Boden auf und sind deswegen die Überlebensversicherung der Kärntner Landesblume. Auch Kuhtritte können für etwas gut sein.

Im Garten kann man Wulfenien halten, auch ohne dass zugleich Kühe dort herumwandeln. Die Pflanzen sollten jedoch nicht von wüchsigen Nachbarn bedrängt werden. Dann bleibt der Methusalem als Gartenpflanze sehr lange quicklebendig.

Wer die „Wunderblume“ am Naturstandort sehen will, kann sich noch in diesem Jahr vom Überleben des Pflanzenmethusalems überzeugen. Denn dort liegen der Blütezeitraum (und das Wulfeniafest) im Juni, etwa zurzeit der Sonnenwende. Für die Wissenschaft sind zwar viele, aber noch längst nicht alle Rätsel, welche die Wulfenia aufgibt, geklärt. So kann kein Botaniker den Grund dafür erkennen, warum die Pflanze sich nicht längst an anderen, vergleichbaren Standorten der Alpen angesiedelt hat.

Infos: https://landesmuseum.ktn.gv.at/DE/repos/files/landesmuseum/DATEIEN/KBZ%20Highlights/Highlights%2004%20April_Wulfenia%20carinthiaca.pdf?exp=1020836&fps=07cbc46fea8d183147fc7fc3d1c258161396ea80, https://wulfen-wiki.de/index.php/Wulfenie

 

Bezugsquellen:

Staudengärtnereinen bieten oft Sorten an, die sich aber nur wenig von der Art Wulfenia carinthiaca unterscheiden, z.B. https://www.sarastro-stauden.com; https://www.staudenspatz.de. Meine Pflanzen stammen von der Pflanzenbörse des Botanischen Gartens Düsseldorf und sind die echte Art Wulfenia carinthiaca.


 

Veilchen wie Vrühling   2026.03.25

Kunstwerk "Blüte des Duftveilchens"Kunstwerk "Blüte des Duftveilchens"Duft- oder Hundsveilchen? Das war die Frage, wenn wir als Kinder im Frühling endlich durch Wiesen und Felder streifen konnten. Und auch als Erwachsener kann ich den Dufttest kaum lassen, wenn ich ein blaues Veilchenblüte sehen. Denn beide Veilchenarten sehen sich ähnlich und die Unterscheidungsmerkmale, z.B.  Blühzeit (DV März bzw. HV April), Standort (schattiger Waldrand - offene trockene Wiese), Wuchsform (Ausläufer bildend – horstig) und Blütenfarbe (das Hundsveilchen hat ein etwas helles Blau) lassen manchmal zweifeln.

Keine Zweifel aber lässt der Duft. Er hat das Duftveilchen (Viola odorata) zum Hauptdarsteller gemacht und das Hundsveilchen (Viola canina) zum Komparsen. Viele berühmte Parfums enthalten Veilchenduft und das Internet hält einen Vergleich der 10 besten Veilchenduftparfums bereit. Beide Veilchenarten sind essbar und können z.B. kandiert werden oder als Dekoration dem Salat beigegeben werden. Die Blüten schmecken nicht nur uns Menschen. Über Nacht kann es passieren, dass ganze Veilchenteppiche ihrer Blüten ledig geworden sind, weil sich die Schnecken an ihnen gelabt haben. Deswegen hatte ich kaum Fotomaterial, als ich mich für den Veilchenblog entschieden habe. Die Schnecken waren schneller.

Hundsveilchen (Viola canina) auf einer Vorgartenwiese in EssenHundsveilchen (Viola canina) auf einer Vorgartenwiese in EssenSchon aus Platzgründen will ich es mir ersparen, die vielen Spuren, die das (Duft-)Veilchen im Leben der Menschen und in Geschichte, Literatur und bildender Kunst hinterlassen hat, hier aufzuzeichnen. Dazu gibt es eine liebevoll gemachte Website www.gartenveilchen.de der Gartenautorin Maria Mail-Brandt, die keine noch so fern liegende Frage offen lässt.

Die Blüte des Duftveilchens ist ein kleines Kunstwerk der Natur. Es hat die typische Stiefmütterchenform (aber als Miniatur) und die fünf dunkelviolettfarbenen Kronblätter bilden eine 2 cm große Krone. Auf dem hellen Grund der Blüte finden sich die orangenen Geschlechtsorgane, von denen aus eine dünne blassviolette Aderung entspringt. Die zwei seitlichen Blütenblätter sind mit einem kurzen weißen Bart geschmückt. 

Es gibt unzähliger Sorten des Duftveilchens, von denen die bekannteste „Königin Charlotte“ ist. Angesichts der Versamungsfreudigkeit des

 

Veilchens ist es jedoch schwer, Sortenreinheit zu erhalten.  Denn im Garten ist das Duftveilchen nicht berechenbar. Die Ameisen tragen die Samen irgendwohin und oft finden sie sich dann zum Ärger des Gärtners mitten in anderen Stauden. Veilchen wieder zu entfernen ist Blaues Galmeiveilchen ((Viola guestfalica) "Blaue Blume von Blankenode"Blaues Galmeiveilchen ((Viola guestfalica) "Blaue Blume von Blankenode"nicht ganz einfach, weil sie ein sehr tiefreichendes festes Wurzelsystem ausbilden. Über Ausläufer breitet sich das Veilchen zusätzlich aus. Bei mir wächst es - geduldet - auf nicht zu trockenem Grund, meist an Beeträndern oder auch am -Rand des Rasens.

Weniger bekannt ist, dass es noch rund 500 anderer Veilchenarten gibt, darunter zwölf, die in Deutschland vorkommen. In meinem Garten habe ich davon nur das Sumpfveilchen (Viola palustris) in der kleinen Wiese nahe dem wechselfeuchten Graben, das im Sommer altrosa blüht (Leider kein Foto). Auf Hinweis der Website der Gärtnerei Gaißmayer habe ich Engelstrompeten (Datura) im Topf mit Parmaveilchen (Viola suavis) unterpflanzt. Das Ziel, durch dichten Wuchs unerwünschte Gräser etc. zurückzuhalten, wurde zwar erreicht. Bislang hat das Parmaveilchen aber noch nie geblüht, so dass ich auch nicht über den angeblich einmaligen Duft berichten kann. Die Befassung mit dem Blog bringt mich jetzt auf den Gedanken, es einmal im Wintergarten und draußen auszupflanzen – vielleicht kann ich dann auf Duft hoffen.

Wie anpassungsfähig die Natur ist, zeigt das Galmeiveilchen, von dem es eine gelbe Variante aus dem Raum Stolberg/Eifel ((Viola calaminaria) und eine blaue aus dem Kreis Paderborn (Viola guestfalica) gibt. Das Besondere: Dieses Veilchen verträgt nicht nur das Gift von Schwermetallen wie Zink und Blei, sondern es braucht geradezu schwermetallbelastete Böden, um gedeihen zu können. Galmei ist Eines der vielen Veilchen des Alpenraums: Dubys Veilchen (Viola dubyana); Foto: Florian KirchhofEines der vielen Veilchen des Alpenraums: Dubys Veilchen (Viola dubyana); Foto: Florian Kirchhofder alte Name eines zinkhaltigen Mischerzes.

Zahlreiche Veilchenarten gibt es im alpinen Raum. Eines der schönsten ist Dubys Veilchen.

„Veilchen wie Vrühling“ habe ich getitelt. Stimmt nicht ganz. Denn es gibt viel mehr Veilchenarten als nur das Duftveilchen und es gibt auch Arten, die erst später blühen.

Zur Galmeivegetation: https://www.umwelt.nrw.de/themen/naturschutz/natur/biologische-vielfalt-und-biodiversitaetsstrategie-nrw/artenhilfsprogramme/galmeivegetation

Bezugsquellen: Duftveilchensorten u.a. https://www.gaissmayer.de; Parmaveilchen Rühlemann’s  https://www.kraeuter-und-duftpflanzen.de

 

 

 

 


 

Ein seltener Gartengast, die Ungarische Zeitlose, gen. Velebit Star  2026.02.16

Die Anzahl der bereits im Januar/Februar im Garten blühenden Staudenarten hält sich in Grenzen. Mit Ausnahme der wintergrünen Christrose, (Helleborus niger) zählen alle zur Gruppe der Geophyten, also der Pflanzen, die frühzeitig austreiben und blühen und sehr schnell ihre Vegetationsperiode wieder beenden, wenn der Lichteinfall geringer wird, weil sich an ihrem Naturstandort das Blätterdach der Bäume schließt oder die Grasnarbe zu hoch wird. Schneeglöckchen, Krokusse, Frühlingsalpenveilchen und Märzenbecher sind es, die uns mit ihren kleinen Blüten bereits Anfang Februar erfreuen. Das war es dann aber auch. Umso mehr finde ich es schade, dass man sie nur in wenigen Gärten sieht.

Angesichts der geringen Zahl von Jahresanfangblühern unter den Stauden ist es kein Wunder, dass sich die Liebe vieler Gartensüchtiger auf das Schneeglöckchen stürzt, mit der Folge, dass neben den 24 Wildarten inzwischen mehr als 1000 Schneeglöckchensorten entstanden sind.

Foto Mitte Januar: Die Blüten sind noch klein; davor eine abgeblühte Blüte mit rosa-lila Farbanflug außen, die viel größer ist.Foto Mitte Januar: Die Blüten sind noch klein; davor eine abgeblühte Blüte mit rosa-lila Farbanflug außen, die viel größer ist.In den beiden ersten Monaten dieses Jahres habe ich aber gelernt, dass es doch noch etwas anderes außer dem Bekannten gibt. Bei einem Besuch Mitte Januar machte mich mein Sohn auf eine aufblühende winzige Pflanze in meinem kleinen Steingartenhang aufmerksam. Es war die Ungarische Zeitlose (Cholchicum hungaricum). Sie kommt wild nicht nur in Ungarn, sondern auch auf dem Balkan vor, z.B. im kroatischen Küstengebirge des Velebit, und wird daher von manchen Gärtnern Großbritanniens als „Velebit Star“ vermarktet.

Ich habe den Star erst im zweiten Versuch erkannt; so klein waren zu diesem Zeitpunkt die Blüten. Maximal 1 cm maßen die sechs Blütenblätter. Aber im Lauf der langen Blütezeit der Pflanze - denn nicht täglich kommt in Winter ein bestäubungswilliges Insekt vorbei - sind die sich sternförmigen flach ausbreitenden Blütenblätter auf etwa 2 cm Länge angewachsen, so dass die kleine Zeitlose bei der Blütengröße mindestens mit den im Garten in der Nähe stehenden Winterlingen mithalten können. Auffällig sind in der weißen Blüte die schwarz-purpurfarbenen Staubbeutel.

In Deutschland ist der Velebit Star nicht ganz einfach zu erwerben. Erst recht gilt das für eine schwach violett blühende Sorte namens ‚Valentine‘, die neben der weißen Blütengrundform gelegentlich im Handel sein soll.

Prägnant,  die schwarz-purpurnen Staubbeutel im weißen sechszähligen Stern der aufgeblühten Ungarischen Zeitlose. Den Schnecken schmeckt das Zeitlosengift. Prägnant, die schwarz-purpurnen Staubbeutel im weißen sechszähligen Stern der aufgeblühten Ungarischen Zeitlose. Den Schnecken schmeckt das Zeitlosengift. Mein Sohn, der das Velebit-Gebirge schon öfter erwandert hat und dabei wohl eine kleine Schwäche für diese Zeitlose entwickelt hat, konnte eine weiß blühende Pflanze auf einem Pflanzenmarkt ergattern und hat sie, von mir unbemerkt, vor zwei Jahren in meinen kleinen Steingartenhang gepflanzt. Eine schöne Überraschung! Gegen solche Überraschungen habe ich keine Einwände. Schließlich hat er es diesmal nicht mit dem wunderschön blau blühenden, insektenfreundlichen, aber übel wuchernden Kaukasischen Beinwell (Symphytum azureum) gemacht.

Allerdings, ausbreitungsfreudig könnte auch der Velebit Star sein. Auf der Website „Kroatiens Fauna und Flora“ findet sich der Hinweis, dass Dalmatiens Wiesen im Januar und Februar mit den kleinen weißen Sternen der Ungarischen Zeitlose übersät seien. Die Standortbedingungen in meinem kleinen Steingartenhang könnten passen: Sonne, kalkreicher, lockerer Boden, im Sommer eher trocken!

Solche massenhaften Bestände kennt man auch von anderen Geophyten, wie den Schneeglöckchen, die deswegen zurzeit meinen Garten prägen.

Die Gartenpartie des Januarblogs: im Februar dominieren die Schneeglöckchen.Die Gartenpartie des Januarblogs: im Februar dominieren die Schneeglöckchen.Das Schöne aber ist, dass die Geophyten verschwinden, wenn die anderen Pflanzen sie überwachsen, auch wenn man gelegentlich etwa nachhelfen muss. Warum also nicht einmal an passendem Standort den Velebit Star ausprobieren statt der tausendeinundfünfzigsten Schneeglöckchensorte. Schließlich ist die Sternblütenform zu Beginn des Gartenjahrs einmalig.

Literatur mit vielen Details: https://kroatiens-fauna-und-flora.org/index.php?title=Colchicum_hungaricum_Janka,_1886

Bezugsquelle: Zwiebeln https://www.floralpin.de/

 


 

Gelbgrüne Heuchera: Eine Füllstaude als Star   2026.01.21

Der Begriff der „Füllstaude“ ist ein wenig unfreundlich. Er bedeutet, dass mit einer derartigen Pflanze Lücken im Beet geschlossen werden. Sie selbst soll eher unscheinbar sein, um die anderen Stauden desto besser hervorzuheben zu können. Gibt man den Begriff „Füllstaude“ im Internet ein, so wird unter anderem die Gattung Heuchera als ein Beispiel erwähnt.

Die Ursprungspflanze an der Ecke zum Zaun des Nachbarn und der Garage agf dm Scheitel der Trockenmauer wird immer ein wenig verkleinert, um den Leberblümchen links daneben Licht zu lassen.Die Ursprungspflanze an der Ecke zum Zaun des Nachbarn und der Garage agf dm Scheitel der Trockenmauer wird immer ein wenig verkleinert, um den Leberblümchen links daneben Licht zu lassen.Von der Gattung Heuchera spielte in unseren Gärten lange Zeit nur das Blut-Purpurglöckchen (Heuchera sanguinea) eine Rolle, das vor allem wegen seiner korallenroten Blüten empfehlenswert ist und den Gattungsnamen Purpurglöckchen geprägt hat. Dann aber gab es seit etwa 20 Jahren eine explosionsartige Vermehrung neuer Heuchera-Sorten, bei denen weniger die Blüten als die Blattfarben für die Auswahl wesentlich sind. Vor Jahren erhielt ich eine Pflanze der neuen Heuchera-Sorten geschenkt, die vorher als Dekoration in einer winterlichen Saalveranstaltung zur preisgünstigen Ausschmückung der Bühne gedient hatte und sonst im Abfall gelandet wäre. Diese Pflanze hat sich in meinem Garten zu einem kleinen Schattenstar entwickelt.

Der Grund ist die außergewöhnlich kräftige, helle gelbgrüne Farbe der weichen, am Rand gelappten ganzjährigen Blätter. Jetzt im Winter Aufleuchten in der WintersonneAufleuchten in der Wintersonneheben sie sich stark vom umgebenden abgestorbenen Laub oder anderen wintergrünen Stauden ab und leuchten daraus hervor, insbesondere, wenn die blattlosen Gehölze die Wintersonne durchscheinen lassen. Das kann so schön kaum eine andere Pflanze. Und im sommerlichen Schatten hellen sie die dunklen Stellen auf. So ist die Pflanze in jeder Jahreszeit gut fürs Gemüt. Von wegen Füllstaude!

Die Blüten erscheinen im Spätsommer und Herbst, sind nicht purpurn, sondern weiß bis cremegelb und winzig und stehen in hohen rispenförmigen Blütenständen bis 50 cm über den Blättern. Das sieht hübsch aus, aber dennoch machen die Blattfarben die Attraktivität der Pflanze aus.

Die Heucherapflanzen machen kaum Probleme. Schnecken verschonen sie zwar nicht völlig, aber Heuchera gehören gewiss nicht zu ihrer Lieblingsspeise. Zum Blattwechsel im Frühjahr kann man die alten Blätter aus optischen Gründen zurückschneiden. Der Standort sollte nicht total austrocknen und nicht tiefschattig sein, weil die Farbe an lichteren Strandorten heller und vor allem gelber wirkt. Die heiße Sommersonne ist auf der andwren Seite erst recht nicht zuträglich, weil sie Sonnenbrandflecken auf den Blättern verursacht. Schattengartenpartie im Spätherbst. Der geschlitzte Holunder rechts trägt noch Laub un das Heuchera die zarten weißen Blütenrispen.Schattengartenpartie im Spätherbst. Der geschlitzte Holunder rechts trägt noch Laub un das Heuchera die zarten weißen Blütenrispen.

Die Pflanzen bilden daumendicke kurze, ein wenig verholzende Rhizome, die sich allmählich unter- oder auch oberirdisch ausbreiten. Diese kann man dort, wo es nicht passt, abnehmen und, soweit sich schon Wurzeln gebildet, an anderer Stelle neu einpflanzen. Das ist kinderleicht. Alles in allem demnach eine sehr pflegeleichte Pflanze! Füllstaude hin oder her. In meinem Garten erfüllt sie eine wichtige Funktion und macht kaum Ärger. Dieselbe Gartenpartie Anfang Januar - die Heucherapflanzen leuchten in der Sonne.Dieselbe Gartenpartie Anfang Januar - die Heucherapflanzen leuchten in der Sonne.

Möglich, liebe Leser, dass Sie jetzt nach so viel Lobpreisung gerne den Sortennamen wissen möchten. Da muss ich leider vorsichtig sein.. Ein Etikett war bei dem Geschenk nicht dabei und sähe in einer Bühnendekoration auch nicht gut aus. Das Bildmaterial im Internet Auffälliges Heuchera im Sommer; links ein belaubter Seidelbast, der in den vorangegangenen Bildern ohne Blätter in der linken Mitte zu sehen ist. Auffälliges Heuchera im Sommer; links ein belaubter Seidelbast, der in den vorangegangenen Bildern ohne Blätter in der linken Mitte zu sehen ist. hilft nicht unbedingt weiter, weil je nach Standort und Jahreszeit der Fotos der einschlägigen Sorten die Farbe zwischen gelb und hellgrün variiert, Sicher handelt es sich aber um eine Sorte von Heuchera villosa, dem zottigen  (villosa wörtlich übers.), besser Samt-Purpurglöckchen, wie man an der starken Behaarung der Stängel und der zarten Behaarung der Blätter, vor allem im Sommer, erkennen kann. Vermutlich ist es die Sorte ‘Citronelle'. Sorten, in denen Heuchera villosa steckt, gelten im Allgemeinen als langlebig, robust und wüchsig. Das kann ich für meine Pflanzen, die alle Ableger der ersten noch existierenden Pflanze aus dem „Abfall“ sind, bestätigen. 

Letztlich ist nicht die sichere Namensbestimmung, sondern die Qualität der Pflanze wichtig. Und die ist für mich in großem Ausmaß gegeben. 

 Literatur: Heuchera-Sichtung in Erfurt zu 180 Heuchera-Sorten:

https://tlllr.thueringen.de/fileadmin/TLLLR/Service/Veranstaltungen/Gartenbau/GaLaBau/2018/pacalaj_stauden_sichtung_lvg_ef_2018.pdf

 Bezugsquelle für Heuchera villosa ‘Citronelle‘ :z.B.: https://www.stauden-stade.dehttps://www.baumschule-horstmann.de/

mit netter Bescheibung.

 

         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         

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